Erbschaftssteuer & Schenkungssteuer – Höhe & Pflicht

Wann ist was zu versteuern?

Eine Person, die ihren letzten Willen festlegt, sollte immer auch an die Erbschaftsteuer denken. Bei der Vererbung größerer Vermögen an nicht oder nur entfernt verwandte Personen kann die Erbschaftsteuer schnell bis zu 50 Prozent betragen. Durch kluge Gestaltung des Testaments lassen sich in erheblichem Umfang Steuern vermeiden. Vermögenswerte wie Immobilien werden grundsätzlich mit dem vollen Verkehrswert besteuert. Dies verlangt auch bei „normalen Nachlässen“ kluge Gestaltungen, um zu vermeiden, dass ein Großteil des Vermögens zur Begleichung der Erbschaftsteuer verkauft oder verwertet werden muss.

IN DIESEM KAPITEL ERFAHREN SIE,

wann Schenkung- oder Erbschaftsteuer anfällt, welche persönlichen Freibeträge es gibt, wie hoch die Steuertarife sind und wie sich Vermögen unter Ehegatten zu Lebzeiten steueroptimiert übertragen lässt.

Beispielfall: Schenkung- und Erbschaftsteuer

Herrmann und Silvia Greiner aus Oberbayern sind seit zehn Jahren verheiratet und leben seit ihrer Hochzeit in einer allein der Ehefrau gehörenden Immobilie in der Nähe von Traunstein in Oberbayern. Die wertvolle Villa ist von einem großen Grund umgeben. Es handelt sich um einen 1911 errichteten „Landsitz“.

Die Vermögensverhältnisse der Ehegatten sind sehr unterschiedlich. Frau Greiner gehören neben dem gemeinsam bewohnten Landsitz drei Mehrfamilienhäuser in Traunstein und München sowie ein größeres Depot mit Aktien und Wertpapieren. Ehemann Greiner hingegen hat sein Leben lang durchschnittlich verdient und aus seinem Verdienst Unterhaltszahlungen an seine erste Ehefrau sowie an seinen Sohn Philipp geleistet. Er hat ein Vermögen von etwa 300.000 € geschaffen.

Aufgrund der unterschiedlichen Vermögensverhältnisse haben die Ehepartner zum Zeitpunkt der Eheschließung eine Gütertrennung vereinbart.

Anfang 2011 erfährt Silvia Greiner, dass sie lebensbedrohlich an Krebs erkrankt ist. Ihr Arzt sagt ihr, dass ihre Lebenserwartung auch bei der heute möglichen Therapie bei maximal drei Jahren liege, eine genaue Angabe sei nicht möglich. Da es Silvia Greiner darauf ankommt, dass ihr Mann möglichst alle Vermögenswerte erhalten kann und nicht mit einer zu hohen Erbschaftsteuer belastet wird, konsultiert sie zusammen mit ihrem Mann einen Erb- und Steuerrechtler aus München. Hermann Greiner fragt den Fachanwalt für Erbrecht zunächst, ob er überhaupt Erbschaftsteuern zahlen müsse, er sei ja Österreicher und in Österreich sei die Erbschaftsteuer im August 2008 „ausgelaufen“.

Silvia Greiner, deutsche Staatsbürgerin, fragt, ob sie nicht für ihre letzten Monate oder Jahre nach Österreich umziehen solle, um die deutsche Erbschaftsteuer zu umgehen. Zudem wünscht das Ehepaar Greiner einen Überblick über die Steuersätze und die Freibeträge.

Der Hintergrund

Auch Sohn Philipp aus der ersten Ehe von Hermann Greiner, mit dem sich Silvia nun schon über viele Jahre hinweg sehr gut versteht, soll ein Vermächtnis in Höhe eines steuerfreien Betrags erhalten. Silvia Greiner möchte ansonsten ihren Ehemann Hermann Greiner zum Alleinerben einsetzen. Auch ist sie bereit, zu Lebzeiten Vermögen zu übertragen, um so die Steuer zu reduzieren.

Das Problem

Zu klären ist zunächst, wann Erbschaft- und Schenkungsteuer anfällt. Auch ist aufgrund der großen unterschiedlichen Vermögenswerte zwischen Herrmann und Silvia Greiner zu prüfen, ob nicht zu Lebzeiten ein Ausgleich geschaffen werden kann. Im Rahmen einer Zugewinngemeinschaft könnte dies beispielsweise durch die Beendigung des Güterstands des Zugewinns geschehen unter gleichzeitigem Ausgleich des in der Ehe entstandenen Zugewinns, der steuerfrei an den Ehegatten gezahlt werden könnte.

Da die Eheleute Greiner jedoch im Güterstand der Gütertrennung leben, kommt ein Zugewinnausgleich für die Vergangenheit nicht in Betracht. Es müssen aus diesem Grund andere Lösungen gefunden werden, um zu vermeiden, dass Herrmann den aus der Familie von Silvia stammenden Grundbesitz veräußern muss, um – nach dem Tod seiner Frau – die Erbschaftsteuer bezahlen zu können.

Die Lösung

Ein Erb- und Steuerrechtler wird das Ehepaar Greiner zunächst darüber aufklären, welcher Erwerb steuerpflichtig ist. Er wird den Greiners zudem die in Betracht kommenden Steuerfreibeträge und die Steuertarife erläutern. Schließlich wird er Möglichkeiten aufzeigen, wie bei einem künftigen Erbfall Erbschaftsteuer zu reduzieren ist.

Die Steuerpflicht

Bei der Steuerpflicht unterscheidet man eine sachliche sowie eine persönliche Steuerpflicht:

  • In sachlicher Hinsicht steuerpflichtig ist ein Erwerb von Todes wegen oder durch Schenkung unter Lebenden. Bei der Erbschaftsteuer handelt es sich um die gleiche Steuer wie bei der Schenkungsteuer. Beide Steuern sind in einem Gesetz geregelt. Zwischen der Schenkungsteuer und der Erbschaftsteuer (die beispielsweise bei einer Erbschaft, einem Vermächtnis oder einem Pflichtteil anfällt) bestehen nur äußerst geringfügige Unterschiede hinsichtlich der Freibeträge und der Steuerklassen.
  • Die persönliche Steuerpflicht regelt, welcher Vermögenserwerb der deutschen Erbschaftsteuer unterliegt. Hierbei unterscheidet das Gesetz zwischen unbeschränkter und beschränkter Steuerpflicht. Im Falle einer beschränkten Steuerpflicht unterliegt nur das inländische Vermögen, somit das in Deutschland gelegene Vermögen, der Schenkung- und Erbschaftsteuer. Anders ist dies bei der unbeschränkten Steuerpflicht. Unbeschränkte Steuerpflicht bedeutet, dass das gesamte ererbte „Weltvermögen“ der deutschen Steuer unterliegt. Die unbeschränkte Steuerpflicht tritt ein, wenn entweder der Erblasser oder der Erbe im Erbfall oder der Schenker oder der Beschenkte zum Zeitpunkt der Schenkung „Inländer“ ist. Inländer ist jeder Mensch, der im Inland einen Wohnsitz oder einen gewöhnlichen Aufenthalt hat.

Da Hermann und Silvia Greiner einen inländischen Wohnsitz in Deutschland haben, unterliegen ihre Nachlässe einer unbeschränkten Steuerpflicht. Daran würde sich selbst dann nichts ändern, wenn Silvia ihren Wohnsitz kurzfristig ins Ausland verlegen würde. Da sie deutsche Staatsangehörige ist, unterliegt ihr Nachlass auch dann noch der unbeschränkten Steuerpflicht, wenn sie sich zum Zeitpunkt des Anfalls der Steuer nicht länger als fünf Jahre im Ausland aufgehalten hat.

Die Höhe der Erbschaftsteuer

Die Höhe der zu entrichtenden Erbschaftsteuer ist von der Steuerklasse, von den Freibeträgen, die ein Erwerber hat, und von der Höhe des erworbenen Vermögens abhängig.

Die Steuerklassen

Beschenkte und Erben sind in „Steuerklassen“ eingeteilt:

  • Zur Steuerklasse I gehören der Ehegatte, die Kinder und Stiefkinder, die Abkömmlinge der Kinder und Stiefkinder sowie die Eltern und Voreltern im Falle eines Erwerbs von Todes wegen.
  • Zur Steuerklasse II gehören die Eltern und Voreltern (wenn es sich nicht um ererbtes Vermögen handelt, sondern um eine Schenkung), die Geschwister, die Abkömmlinge ersten Grades von Geschwistern, somit die Neffen und Nichten, die Stiefeltern, Schwiegerkinder und Schwiegereltern sowie der geschiedene Ehegatte.
  • Zur Steuerklasse III gehören alle übrigen Personen.

Die Freibeträge

Von meist großer Bedeutung sind die „Freibeträge“. Diese werden zunächst von dem ererbten oder geschenkten Vermögen abgezogen. Nur der verbleibende Rest wird besteuert. Die wichtigsten Freibeträge sind:

  • Der Ehegatte eines Erblassers hat einen Freibetrag von 500.000 € und unter bestimmten Voraussetzungen einen besonderen Versorgungsfreibetrag von bis zu 256.000 €. Darüber hinaus kann er oft den ehelichen Zugewinnausgleich als „fiktiven Zugewinnausgleich“ zunächst von dem ererbten Vermögen abziehen. Versteuert wird dann nur der verbleibende Rest des Vermögens.
  • Ein Lebenspartner nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz hat grundsätzlich die gleichen Freibeträge wie ein Ehegatte eines Erblassers.
  • Kinder eines Erblassers können einen Freibetrag in Höhe von 400.000 € geltend machen.
  • Bei Enkelkindern ist zu unterscheiden: Lebt der mit dem Erblasser verwandte Elternteil des Enkelkindes noch, so steht den Enkelkindern ein Freibetrag von 200.000 € zu. Ist das Kind des Erblassers bereits vorverstorben, so haben dessen Kinder, somit die Enkelkinder des Erblassers, einen Freibetrag in Höhe von 400.000 €.
  • Die übrigen Personen der Steuerklasse I haben einen Freibetrag von 100.000 €.
  • Alle übrigen Personen können lediglich einen Freibetrag von 20.000 € geltend machen.

Zusammenfassend ergeben sich folgende Freibeträge:

Erbschaftsteuer-Klassen und -Freibeträge

(Stand: 1.1.2010)

Steuerklasse Beschenkter, Erbe, Vermächtnisnehmer oder Pflichtteilsberechtigter Persönlicher Freibetrag
Ehegatte und Lebenspartner nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz 500.000 €
I Kind

Stiefkind

Enkel, wenn die Eltern vorverstorben sind

400.000 €
Enkel, wenn die Eltern noch leben 200.000 €
Eltern und Großeltern im Erbfall

Urenkel und deren Abkömmlinge

100.000 €
II Eltern und Großeltern bei Schenkung

Geschwister

Neffen, Nichten

Stiefeltern

Schwiegerkinder; Schwiegereltern

geschiedener Ehegatte

 

20.000 €

III alle Übrigen,

insb. Paare ohne Trauschein

20.000 €

Die Steuertarife

Die Steuertarife für eine Schenkung oder eine Erbschaft (auch Vermächtnis oder Pflichtteil) richten sich nach der Höhe des geschenkten oder ererbten Vermögens sowie nach der jeweiligen Steuerklasse. Die Steuertarife stellen wir im Folgenden tabellarisch dar:

 

Erbschaftsteuertarif

(Stand: 1.1.2010)

Prozentsatz in der Steuerklasse
Erwerb bis einschl. € I II III
75.000 7 15  

 

30

 

300.000 11 20
600.000 15 25
6.000.000 19 30
13.000.000 23 35  

50

 

26.000.000 27 40
über 26.000.000 30 43

Die in der Tabelle angegebenen Wertgrenzen sind so zu verstehen, dass ein steuerlicher Wert bis zu 75.000 € in der Steuerklasse I mit sieben Prozent zu versteuern ist. Ist der steuerliche Wert höher als 75.000 €, beispielsweise 150.000 €, ist der Gesamtbetrag mit elf Prozent zu versteuern und nicht, wie man annehmen könnte, die ersten 75.000 € mit sieben Prozent und die zweiten 75.000 € mit elf Prozent.

Mehrere von einer Person geschenkte oder ererbte Vermögen werden zusammengerechnet, wenn die Erwerbe weniger als zehn Jahre auseinander liegen. Verschenkt beispielsweise der Erblasser im Jahre 2007 eine Eigentumswohnung im steuerlich relevanten Wert von 200.000 € an seinen Sohn, verstirbt er sodann im Jahr 2011 und vererbt seinem Sohn weitere 300.000 €, werden die Beträge für die Eigentumswohnung und die Erbschaft zusammengerechnet. Dies führt dazu, dass von den 500.000 € zunächst der Freibetrag von 400.000 € abzuziehen ist und sodann die verbleibenden 100.000 € zu versteuern sind.

Lebt der Schenker jedoch noch mehr als zehn Jahre nach der Schenkung, erfolgt keine Addition von Schenkung und Erbe. Der Sohn kann dann den Freibetrag zweimal nutzen. Menschen, die größere Vermögen besitzen, versuchen durch die Nutzung der Freibeträge alle zehn Jahre große Vermögensbeträge innerhalb der Familie steuerfrei weiterzugeben. Wer 90 Jahre alt wird und heute im Alter von 40 Jahren beginnt, alle zehn Jahre die Freibeträge zu nutzen, kann theoretisch sechs Freibeträge ausschöpfen und insgesamt ein Vermögen von mehreren Millionen Euro steuerfrei an den Ehegatten und die Kinder übertragen.

Die Gestaltungsmöglichkeiten zur Reduzierung einer Erbschaftsteuer

Der vom Ehepaar Greiner konsultierte Erbrechtsexperte wird den Eheleuten mehrere Gestaltungsmöglichkeiten zur Reduzierung einer Erbschaftsteuer nach dem absehbaren Tod der an Krebs erkrankten Frau vorschlagen.

Insbesondere wird er folgende Möglichkeiten hervorheben:

Da der vom Ehepaar Greiner bewohnte „Landsitz“ ausschließlich Silvia Greiner gehört, würde diese Immobilie im Falle des Todes von Frau Greiner in vollem Umfang der Erbschaftsteuer unterliegen. Etwas anderes würde nur gelten, wenn die Immobilie nach dem Tod von Silvia Greiner von Herrmann Greiner als Alleinerbe zehn Jahre lang bewohnt würde. Nutzt nämlich der Erbe nach dem Tod des Ehegatten ein bisher von diesem bewohntes „Familienheim“ weitere zehn Jahre nach dem Erwerb, ist dieses Familienheim steuerbegünstigt und unterliegt damit nicht der Steuer.

Das Damoklesschwert eines solchen Erwerbs ist jedoch die mindestens zehnjährige Nutzung. Fällt diese Nutzung weg, weil die Immobilie veräußert werden muss oder der überlebende Ehegatte aus dem „zu groß gewordenen“ Haus ausziehen möchte, kommt es zu einer Nachbesteuerung. Etwas anderes gilt nur dann, wenn zwingende objektive Gründe dazu führen, dass die Immobilie nicht mehr genutzt werden kann. Dies sind beispielsweise eine Pflegebedürftigkeit oder auch der Tod des zunächst überlebenden Ehegatten.

Da Herrmann Greiner bereits erklärt, die nach dem Tod seiner Frau für ihn viel zu große Immobilie nicht alleine nutzen zu wollen, sondern sich dann eine Wohnung in der Stadt zu suchen, steht bereits jetzt fest, dass er die „Steuerbegünstigung des Familienheims“ im Falle des Erwerbs von Todes wegen nicht in Anspruch nehmen wird.

Eine weitere Alternative:

Überträgt Silvia Greiner bereits zu Lebzeiten das als Lebensmittelpunkt genutzte „Familienheim“ (so der Gesetzeswortlaut), ist diese Übertragung steuerfrei. Anders als beim Erwerb von Todes wegen gibt es bei der Übertragung des selbst genutzten Familienheims noch zu Lebzeiten keine „Behaltensfrist“.

Voraussetzung ist lediglich, dass das übertragene Familienheim Mittelpunkt des familiären Lebens ist, die Übertragung unter Lebenden erfolgt und sich die Immobilie in einem EU-Mitgliedsstaat befindet. Da Silvia Greiner in jedem Fall die künftige Erbschaftsteuer für ihren Ehemann Herrmann reduzieren möchte, ist sie bereit, die Immobilie zu übertragen. Sie möchte jedoch sicher sein, dass im Fall des Vorversterbens von Herrmann Greiner oder im Fall der Scheidung ein Rückfall der Immobilie an sie erfolgt.

Der befragte Steuer- und Erbrechtsexperte aus München erläutert ihr, dass dies kein Problem darstellt. Derartige Verträge würden üblicherweise mit wirksamen Nutzungs- und Rückfallklauseln versehen.

Wie Silvia und Herrmann Greiner von dem Erbrechtsexperten erfahren, kommt zur Reduzierung der Steuern auch eine Schenkung der Mietshäuser zu Lebzeiten in Frage. Der Erbrechtler erklärt diese Möglichkeit so: Zwar sind die Schenkung- und Erbschaftsteuern im Grundsatz gleich. Wird jedoch die Immobilie unter Vorbehalt eines lebenslangen Nießbrauchs verschenkt, unterliegt nicht deren voller Wert der Schenkungsteuer, sondern nur der Wert, der sich aus der Differenz zwischen dem Immobilienwert und dem Wert des Nießbrauchs ergibt. Letzterer wiederum wird nach der statistischen Lebenserwartung berechnet.

Bei einer 60-jährigen Frau entspricht der Wert des Nießbrauchs in etwa einem zwölfjährigen Jahresertrag aus der Immobilie. Dies kann schnell dazu führen, dass der Nießbrauch mit mehr als der Hälfte des Gesamtwerts der Immobilie zu berechnen ist, so dass der entsprechende Betrag abgezogen werden kann. Ist eine der Immobilien von Silvia Greiner 1,1 Millionen Euro wert und beziffert sich der Nießbrauch auf 600.000 €, sind nur noch 500.000 € zu versteuern. Da dieser Betrag exakt dem Freibetrag des Ehegatten entspricht, fällt bei der Schenkung keine Steuer an.

Silvia Greiner kann also das selbst genutzte Familienheim und eine Immobilie im Wert von 1,1 Millionen Euro steuerfrei auf ihren Mann übertragen. Da die Zukunft nicht sicher zu prognostizieren ist, sollten derartige Schenkungen mit den üblichen Klauseln zur Absicherung des Schenkers versehen werden.

In Betracht kommen beispielsweise folgende Klauseln:

  • Nießbrauchs-, Wohnrechtsvorbehalt
  • Rückfallklausel
  • Verfügungsbeschränkung
  • Pflichtteilsanrechnungsklausel
  • Ausgleichspflichten
  • Rentenzahlung
  • Pflegeverpflichtung
  • Unterhaltsregelung

Abschließend rät der Erbrechtsexperte Silvia Greiner, im Hinblick auf den Stiefsohn Philipp, zu dessen Gunsten ein Vermächtnis in Höhe von 400.000 € auszusetzen. Dieser Betrag entspricht dem Freibetrag, den Philipp auch als Stiefkind nutzen kann. So kann im Falle des Todes von Frau Silvia Greiner ein weiterer Betrag in Höhe von 400.000 € steuerfrei an eine Person vermacht werden, die ihr sehr nahe steht.

TIPP VOM FACHANWALT FÜR ERBRECHT AUS MÜNCHEN

Die Übertragung des als Mittelpunkt des familiären Lebens genutzten Familienheims unter lebenden Ehegatten stellt eine gute Möglichkeit dar, während oder vor der Ehe entstandene unterschiedliche Vermögenslagen der Ehegatten auszugleichen, ohne dass aufgrund dieses Ausgleichs eine Steuer anfällt.

Exkurs: Bewertung der Nachlassgegenstände

Die im Jahr 2009 in Kraft getretene Erbschaftsteuerreform sieht im Grundsatz eine Bewertung der Immobilien nach den tatsächlichen Verkehrswerten vor. Zur Ermittlung dieser Verkehrswerte stellt das Bewertungsgesetz drei Verfahren zur Verfügung, nämlich das Vergleichswertverfahren, das Sachwertverfahren und das Ertragswertverfahren:

  • Nach dem Vergleichswertverfahren werden Wohnungseigentum, Teileigentum, Einfamilienhäuser und Zweifamilienhäuser bewertet. Im Rahmen dieser Bewertung wird der gemeine Wert der Immobilien aus den von den Gutachterausschüssen der Gemeinden mitgeteilten Vergleichspreisen abgeleitet. Dies setzt stets voraus, dass Preise weitgehend gleichartiger Immobilien (gleiche Lage, Nutzung, Größe, Ausstattung) vorhanden sind.
  • Fehlen Vergleichspreise, sind die Immobilien nach dem Sachwertverfahren zu bewerten. Dabei werden die durchschnittlichen Kosten für die Errichtung einer solchen Immobilie zugrunde gelegt und unter Berücksichtigung des Alters und der Lage der Immobilie aus den Herstellungskosten der derzeitige Sachwert ermittelt.
  • Das Ertragswertverfahren hingegen stellt nicht auf die Errichtungskosten einer Immobilie ab, sondern auf deren Nutzung. Der Wert wird durch die Hochrechnung des jährlichen Ertrags der Immobilie ermittelt. Nach dem Ertragswertverfahren bewertet werden Mietwohngrundstücke, Geschäftswohngrundstücke und gemischt genutzte Grundstücke, wenn sich dafür eine übliche Miete ermitteln lässt.

 

TIPP VOM FACHANWALT FÜR ERBRECHT AUS MÜNCHEN

Stellt sich nach dem Bewertungsgesetz der Wert einer Immobilie höher als der tatsächliche Verkehrswert dar, rentiert es sich möglicherweise, einen Sachverständigen mit einem Gutachten zu beauftragen. Geht aus dem Gutachten ein geringerer Verkehrswert hervor, wird dieser realistische Wert der Besteuerung zugrunde gelegt. Vor allem in Regionen mit Bevölkerungsrückgang und deutlich sinkenden Immobilienpreisen kann ein Sachverständigengutachten zu einer wesentlichen Minimierung der Steuerlast beitragen.